BIM-Kollaborationsplattform

Eine BIM-Kollaborationsplattform ist eine softwarebasierte Umgebung für die modellbasierte Zusammenarbeit in Bau- und BIM-Projekten. Sie ermöglicht es, Fachmodelle zusammenzuführen, zu visualisieren, zu koordinieren und modellbezogen zu kommunizieren – häufig unabhängig von der ursprünglichen Autorensoftware.

Im Mittelpunkt steht die operative Zusammenarbeit am digitalen Gebäudemodell: Verschiedene Projektbeteiligte greifen auf einen gemeinsamen Modellstand zu, stimmen Planungen ab, dokumentieren Konflikte und verfolgen Aufgaben nach.

Eine BIM-Kollaborationsplattform ist dabei nicht automatisch mit einem Common Data Environment (CDE) gleichzusetzen. Sie kann Funktionen eines CDE bereitstellen und als technische CDE-Plattform eingesetzt werden, bildet aber nicht zwingend den gesamten organisatorischen Rahmen des Informationsmanagements ab.

Warum ist eine BIM-Kollaborationsplattform wichtig?

  • Gemeinsamer Modellzugriff: Alle Beteiligten arbeiten mit einem zusammengeführten, aktuellen Modellstand statt mit isolierten Einzeldateien.
  • Fachübergreifende Koordination: Architektur, Tragwerk und TGA können ihre Fachmodelle abstimmen und Konflikte frühzeitig erkennen.
  • Modellbezogene Kommunikation: Kommentare, Aufgaben und Änderungsanforderungen werden direkt am Bauteil oder Modell hinterlegt und bleiben im fachlichen Kontext.
  • Weniger Medienbrüche: Abstimmungen laufen zentral über die Plattform statt über verstreute E-Mails und lokale Dateiablagen.
  • Nachvollziehbare Zusammenarbeit: Issues, Modellstände und Entscheidungen lassen sich dokumentieren und nachverfolgen.

Zentrale Funktionen einer BIM-Kollaborationsplattform

  • Modellzusammenführung und Visualisierung: Fachmodelle aus unterschiedlichen Disziplinen werden in einem Koordinationsmodell zusammengeführt und dargestellt.
  • Modellkoordination: Planungsstände verschiedener Gewerke werden aufeinander abgestimmt.
  • Kollisions- und Qualitätsprüfung: Geometrische Konflikte und Regelverstöße können automatisiert erkannt werden.
  • Issue- und Aufgabenmanagement: Probleme werden als Issues erfasst, zugewiesen und bis zur Lösung verfolgt.
  • BCF-basierte Kommunikation: Modellbezogene Themen werden über das offene BIM Collaboration Format (BCF) softwareübergreifend ausgetauscht.
  • Modellversionsvergleich: Unterschiedliche Modellstände können gegenübergestellt werden, um Änderungen sichtbar zu machen.
  • Kommentierung am Modell: Anmerkungen werden direkt an der betroffenen Stelle im Modell hinterlegt, sodass der räumliche Bezug erhalten bleibt.

Was ist BCF (BIM Collaboration Format)?

Das BIM Collaboration Format (BCF) ist ein offenes Austauschformat für die modellbezogene Kommunikation. Statt ganze Modelle zu versenden, werden nur die relevanten Informationen zu einem Thema ausgetauscht – beispielsweise Kameraposition, betroffene Bauteile, Kommentar und Status.

Dadurch können Projektbeteiligte auch mit unterschiedlicher Software gemeinsam an denselben Themen arbeiten. BCF ist damit ein zentraler Baustein für die herstellerübergreifende Zusammenarbeit auf BIM-Kollaborationsplattformen.

Wie funktioniert eine BIM-Kollaborationsplattform in der Praxis?

Eine BIM-Kollaborationsplattform organisiert die Zusammenarbeit über einen wiederkehrenden Koordinationszyklus.

Ein typischer Ablauf ist:

  • Fachplaner:innen stellen ihre Modelle bereit
  • die Modelle werden zu einem Koordinationsmodell zusammengeführt
  • eine Kollisionsprüfung deckt geometrische und fachliche Konflikte auf
  • Konflikte werden als Issues erfasst und Verantwortlichen zugewiesen
  • die Kommunikation erfolgt modellbezogen, häufig über BCF
  • gelöste Themen werden dokumentiert und der nächste Koordinationsstand wird bereitgestellt

So werden Planungsstände Schritt für Schritt abgestimmt und Konflikte über den Projektverlauf reduziert.

BIM-Kollaborationsplattform vs. Common Data Environment (CDE)

BIM-Kollaborationsplattform und CDE werden häufig gleichgesetzt, beschreiben jedoch unterschiedliche Ebenen.

Eine BIM-Kollaborationsplattform hat ihren Schwerpunkt auf der operativen, modellbasierten Zusammenarbeit: Modelle zusammenführen, koordinieren, prüfen und modellbezogen kommunizieren.

Ein Common Data Environment (CDE) beschreibt den übergeordneten Rahmen des Informationsmanagements. Dazu gehören zusätzlich definierte Informationsstatus, Rollen und Verantwortlichkeiten, Versionsmanagement, Prüf- und Freigabeprozesse sowie Archivierung und Nachvollziehbarkeit.

Eine BIM-Kollaborationsplattform kann Funktionen eines CDE bereitstellen und als technische CDE-Plattform eingesetzt werden. Sie ist aber nicht automatisch mit dem gesamten CDE gleichzusetzen, da das CDE zusätzlich die vereinbarten Informationsprozesse und Regeln umfasst.

BIM-Kollaborationsplattform vs. Dokumentenmanagementsystem (DMS)

Auch die Abgrenzung zum Dokumentenmanagementsystem (DMS) ist relevant.

  • Ein DMS ist stark dokumentenzentriert und konzentriert sich auf die strukturierte Verwaltung, Versionierung und Archivierung von Dokumenten. Es ist in der Regel nicht speziell auf BIM-Modelle oder modellbasierte Koordination ausgerichtet.
  • Eine BIM-Kollaborationsplattform ist dagegen modellzentriert und unterstützt insbesondere die Zusammenarbeit am digitalen Gebäudemodell.

In der Praxis können sich die Funktionen überschneiden. Eine moderne BIM-Kollaborationsplattform kann Dokumentenmanagement, Modellkoordination und CDE-Workflows in einer Anwendung verbinden.

Vereinfacht lässt sich die Einordnung so zusammenfassen:

  • DMS → verwaltet vor allem Dokumente
  • BIM-Kollaborationsplattform → unterstützt die Zusammenarbeit an Modellen und Planungsinformationen
  • CDE → bildet den übergeordneten Rahmen für das gesamte Informationsmanagement

BIM-Kollaborationsplattform im BIM-Informationsprozess

Eine BIM-Kollaborationsplattform steht nicht isoliert, sondern ist Teil einer durchgängigen Kette von Informationsanforderungen, Prozessvereinbarungen und Informationsumgebung.

  • Die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) definieren, welche Informationen benötigt werden. Sie können auch Anforderungen an Zusammenarbeit, Zugriffsrechte und Austauschprozesse enthalten.
  • Der Level of Information Need (LOIN) konkretisiert, welche geometrischen und alphanumerischen Informationen vorhanden sein müssen. Genau diese Informationen sind die Grundlage dafür, dass Attribut- und Qualitätsprüfungen auf der Plattform überhaupt aussagekräftig sind.
  • Der BIM-Abwicklungsplan (BAP) legt fest, wie mit der Plattform gearbeitet wird – etwa Koordinationszyklen, Prüfregeln und Zuständigkeiten.
  • Das Common Data Environment (CDE) bildet den übergeordneten Rahmen aus Informationsstatus, Versionierung, Prüf- und Freigabeprozessen.

Vereinfacht:

  • AIA → Was wird benötigt?
  • LOIN → In welchem Informationsumfang?
  • BAP → Wie wird es umgesetzt?
  • CDE → Wie und wo werden Informationen organisiert und freigegeben?
  • BIM-Kollaborationsplattform → Womit wird modellbasiert zusammengearbeitet und koordiniert?

BIM-Kollaborationsplattform im Gebäudebestand

Auch bei Sanierungs- und Bestandsprojekten kann eine BIM-Kollaborationsplattform die Zusammenarbeit unterstützen. Bestandsmodelle, die aus digitalem Aufmaß und Scan-to-BIM entstehen, lassen sich zusammenführen und mit weiteren Fachmodellen koordinieren.

So können beispielsweise Bestandsmodell, Architektur- und TGA-Planung gemeinsam geprüft und Konflikte zwischen Bestand und geplanten Eingriffen frühzeitig erkannt werden.

Ein möglicher Datenfluss ist:

Digitales Aufmaß → Punktwolke → Bestandsmodell → IFC → BIM-Kollaborationsplattform → Modellkoordination und Kollisionsprüfung → Freigabe im CDE

Gerade im Bestand ist dies relevant, weil geplante Eingriffe immer auf reale Bestandsgeometrien treffen. Je verlässlicher das Bestandsmodell ist, desto aussagekräftiger sind die Prüfungen auf der Plattform.

Häufige Fehler und Missverständnisse

  • „Kollaborationsplattform = CDE“: Eine Plattform kann ein CDE technisch abbilden, ersetzt aber nicht die vereinbarten Informationsstatus, Rollen und Freigabeprozesse.
  • Nur Modelle hochladen: Ohne definierte Koordinations- und Prüfzyklen entsteht keine strukturierte Zusammenarbeit.
  • Kommunikation außerhalb der Plattform: Werden Themen zusätzlich per E-Mail geklärt, geht der modellbezogene Kontext verloren.
  • Issues ohne Verantwortliche: Konflikte ohne klare Zuweisung bleiben häufig ungelöst.
  • BCF ignorieren: Ohne offenes Austauschformat wird die herstellerübergreifende Zusammenarbeit erschwert.
  • Prüfungen ohne definierten Informationsbedarf: Attributprüfungen sind nur dann sinnvoll, wenn zuvor über LOIN und AIA festgelegt wurde, welche Informationen vorhanden sein müssen.
  • Plattform statt Prozess betrachten: Auch eine leistungsfähige Plattform funktioniert nur mit klaren Rollen, Status und Workflows.

FAQ

Ist eine BIM-Kollaborationsplattform dasselbe wie ein CDE?

Nicht zwingend. Eine BIM-Kollaborationsplattform kann als technische CDE-Plattform dienen und CDE-Funktionen bereitstellen. Ein CDE umfasst jedoch zusätzlich definierte Informationsstatus, Rollen, Prüf- und Freigabeprozesse sowie Archivierung und Nachvollziehbarkeit.

Was ist der Unterschied zwischen BCF und IFC?

IFC ist ein offenes Format für den Austausch von BIM-Modellen selbst. BCF ist ein offenes Format für die modellbezogene Kommunikation und überträgt nur themenbezogene Informationen wie Kommentare, Status und betroffene Bauteile – nicht das gesamte Modell.

Braucht jedes BIM-Projekt eine BIM-Kollaborationsplattform?

Für die modellbasierte Koordination ist eine gemeinsame Umgebung sehr hilfreich. Wie sie technisch umgesetzt wird, hängt jedoch vom Projekt ab und kann aus einer oder mehreren miteinander verbundenen Plattformen bestehen.

Kann eine BIM-Kollaborationsplattform ein CDE ersetzen?

Sie kann ein CDE technisch abbilden, ersetzt aber nicht die organisatorischen Regeln des Informationsmanagements. Entscheidend ist, dass Status, Rollen, Versionierung sowie Prüf- und Freigabeprozesse eindeutig geregelt sind.

Wo wird die Nutzung der Plattform festgelegt?

In der Regel im BIM-Abwicklungsplan (BAP). Dort wird beschrieben, welche Plattform eingesetzt wird, wie Modelle bereitgestellt und zusammengeführt werden und in welchen Zyklen Koordination und Prüfung stattfinden.

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