Common Data Environment (CDE)

Ein Common Data Environment (CDE) ist eine gemeinsame Datenumgebung für die strukturierte Verwaltung und den Austausch von Informationen in Bau- und BIM-Projekten. Projektdaten wie Modelle, Pläne, Dokumente und weitere Informationen werden zentral organisiert, versioniert und über definierte Prüf- und Freigabeprozesse bereitgestellt.

Ziel ist eine verlässliche Informationsbasis, auf der alle Projektbeteiligten mit dem jeweils aktuellen und freigegebenen Datenstand arbeiten können.

Ein CDE ist dabei nicht mit einer bestimmten Software gleichzusetzen. Es umfasst sowohl die technische Umgebung als auch die vereinbarten Prozesse, Rollen und Regeln des Informationsmanagements.

Warum ist ein Common Data Environment wichtig?

  • Einheitliche Datenbasis: Modelle, Pläne und Dokumente werden strukturiert an einem zentralen Ort beziehungsweise innerhalb einer gemeinsamen Informationsumgebung verwaltet.
  • Aktuelle Informationsstände: Versionierung und Statuskennzeichnungen machen transparent, welche Daten bearbeitet, geteilt oder freigegeben sind.
  • Geregelter Informationsaustausch: Klare Status, Zuständigkeiten und Übergaben sorgen dafür, dass Projektbeteiligte die jeweils vorgesehenen Informationsstände nutzen.
  • Weniger Medienbrüche: E-Mail-Anhänge, lokale Dateiablagen und parallele Datenstände werden reduziert.
  • Nachvollziehbare Prozesse: Änderungen, Prüfungen und Freigaben lassen sich dokumentieren und Verantwortlichkeiten eindeutig zuordnen.

Wie funktioniert ein CDE in der Praxis?

Ein CDE organisiert Projektinformationen über definierte Zustände und Workflows. Die DIN EN ISO 19650 unterscheidet dabei vier zentrale Informationsbereiche.

Common Data Environment mit den Informationsbereichen Work in Progress, Shared, Published und Archive für ein BIM-Projekt.

1. Work in Progress – in Bearbeitung

In diesem Bereich befinden sich Arbeitsstände, die innerhalb eines Teams oder einer Fachdisziplin erstellt und weiterentwickelt werden.

Beispiele:

  • Architekturmodelle in Bearbeitung
  • noch nicht geprüfte Fachplanungen
  • interne Zeichnungsstände
  • vorläufige Berechnungen

Die Informationen sind noch nicht für die allgemeine Projektkoordination freigegeben.

2. Shared – geteilt

Nach einer internen Prüfung können Informationen für andere Projektbeteiligte bereitgestellt werden.

Dieser Bereich dient beispielsweise:

  • der Bereitstellung geprüfter Fachinformationen
  • dem fachübergreifenden Informationsaustausch
  • der Koordination unterschiedlicher Planungsstände
  • der Prüfung und weiteren Abstimmung im Projekt

Die Informationen sind für die gemeinsame Nutzung im Projekt freigegeben, gelten aber noch nicht zwingend als final veröffentlichte oder verbindliche Projektinformation.

3. Published – veröffentlicht oder freigegeben

Nach definierten Prüf- und Freigabeprozessen erhalten Informationen einen verbindlichen Status.

Dazu können gehören:

  • freigegebene Modelle
  • Ausführungspläne
  • abgestimmte Dokumentationen
  • verbindliche Projektinformationen

Änderungen erfolgen anschließend über geregelte Änderungs- und Freigabeprozesse.

4. Archive – archiviert

Nicht mehr aktive Informationsstände werden nachvollziehbar archiviert.

Dadurch bleiben frühere Versionen, Entscheidungen und Projektstände auch später verfügbar – beispielsweise für Dokumentation, Betrieb oder spätere Umbauten.

Welche Informationen werden in einem CDE verwaltet?

Je nach Projekt können sehr unterschiedliche Informationen Bestandteil der gemeinsamen Datenumgebung sein:

  • BIM-Modelle und IFC-Dateien
  • CAD-Pläne und Zeichnungen
  • Punktwolken und Bestandsdaten
  • Grundrisse, Schnitte und Ansichten
  • Ausschreibungs- und Vertragsunterlagen
  • Prüf- und Freigabedokumente
  • Protokolle und Berichte
  • Status-, Prüf- und Übergabeinformationen
  • As-Built-Dokumentationen
  • Betriebs- und Übergabedaten

Entscheidend ist nicht nur die zentrale Speicherung. Informationen müssen eindeutig strukturiert, versioniert und einem definierten Status zugeordnet werden.

Zentrale Funktionen eines CDE

  • Versionsmanagement: Änderungen an Dateien und Modellen werden nachvollziehbar dokumentiert. Dadurch ist erkennbar, welcher Informationsstand aktuell ist und welche Versionen zuvor verwendet wurden.
  • Rollen und Berechtigungen: Nicht alle Projektbeteiligten benötigen dieselben Zugriffs- und Bearbeitungsrechte. Rollen und Berechtigungen steuern, wer Informationen sehen, bearbeiten, prüfen oder freigeben kann.
  • Prüf- und Freigabeprozesse: Informationen wechseln nicht automatisch vom Arbeitsstand zur verbindlichen Projektinformation. Definierte Workflows stellen sicher, dass Daten vor ihrer Freigabe geprüft werden.
  • Informationsstatus und Übergaben: Definierte Status machen transparent, ob Informationen noch bearbeitet, bereits geteilt, freigegeben oder archiviert sind.
  • Nachvollziehbarkeit: Änderungen, Freigaben und Verantwortlichkeiten werden dokumentiert. So lässt sich später nachvollziehen, wann und durch wen Informationen geändert oder freigegeben wurden.

CDE und BIM

Ein Common Data Environment ist ein zentraler Bestandteil des Informationsmanagements mit BIM.

  • BIM beschreibt die Methode, Bauwerksinformationen strukturiert über Planung, Bau und Betrieb zu erzeugen, auszutauschen und zu nutzen.
  • Das CDE schafft den organisatorischen und technischen Rahmen, in dem diese Informationen verwaltet, geprüft, freigegeben und archiviert werden.
  • Eine Softwareplattform allein bildet deshalb nicht automatisch ein vollständiges CDE. Entscheidend sind zusätzlich definierte Informationsstatus, Verantwortlichkeiten sowie Prüf-, Freigabe- und Archivierungsprozesse.

Ein CDE ist damit nicht nur ein Ort, an dem BIM-Modelle abgelegt werden. Es beschreibt vielmehr die gemeinsame Informationsumgebung und die Regeln, nach denen Projektinformationen über ihren gesamten Lebenszyklus verwaltet werden.

Je nach Projekt kann die technische Umsetzung aus einer einzelnen CDE-Plattform oder aus mehreren miteinander verbundenen Systemen bestehen.

CDE vs. BIM-Kollaborationsplattform und Dokumentenmanagementsystem (DMS)

CDE, BIM-Kollaborationsplattform und Dokumentenmanagementsystem können technisch eng miteinander verbunden sein, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.

Dokumentenmanagementsystem (DMS)

Ein Dokumentenmanagementsystem (DMS) konzentriert sich vor allem auf die strukturierte Verwaltung, Versionierung und Archivierung von Dokumenten. Es wird häufig unternehmensweit eingesetzt und ist nicht speziell auf BIM-Prozesse ausgerichtet.

Ein DMS kann Bestandteil der technischen CDE-Umgebung sein, ist aber nicht mit einem CDE gleichzusetzen.

BIM-Kollaborationsplattform

Eine BIM-Kollaborationsplattform ist eine Cloudlösung für die operative, modellbasierte Zusammenarbeit. Sie stellt die Basis für die Koordination von Fachmodellen, modellbezogene Kommunikation und die Bearbeitung von Issues dar.

Eine BIM-Kollaborationsplattform wird meist als Standalone Lösung als Ergänzung zum CDE eingesetzt. Sie ist modellbasiert, das heißt die Kommunikation bezieht sich immer auf spezielle Elemente/Probleme oder Vorgänge aus einem BIM Modell. Im Vergleich hierzu bezieht sich das DCE auf alle Projektdokumente und Dateien.

Common Data Environment (CDE)

Das CDE bildet den übergeordneten organisatorischen und technischen Rahmen für das Informationsmanagement im Projekt.

Vereinfacht lässt sich die Abgrenzung so zusammenfassen:

  • DMS → verwaltet vor allem Dokumente
  • BIM-Kollaborationsplattform → Basis für die operative Zusammenarbeit am BIM-Modell
  • CDE → organisiert und steuert alle Daten, Informationen und Workflows im Projekt

In der Praxis können sich die eingesetzten Systeme technisch überschneiden. Entscheidend für ein CDE ist deshalb nicht ein bestimmter Funktionsumfang einer Software, sondern die Umsetzung der vereinbarten Informationsprozesse.

Was macht ein CDE zu einem CDE?

Nicht jede Plattform, auf der Modelle und Dokumente bereitgestellt werden, bildet automatisch ein vollständiges CDE.

Entscheidend ist, dass im Projekt unter anderem geregelt ist:

  • Welche Informationen befinden sich noch in Bearbeitung?
  • Wann dürfen Informationen geteilt werden?
  • Wer darf Informationen prüfen und freigeben?
  • Welche Version ist verbindlich?
  • Wie werden Änderungen nachvollziehbar dokumentiert?
  • Welche Rollen und Zugriffsrechte gelten?
  • Wie werden freigegebene Informationsstände archiviert?

Damit liegt der Schwerpunkt eines CDE nicht auf einzelnen Softwarefunktionen, sondern auf einer konsistenten und nachvollziehbaren Steuerung von Informationen.

CDE im Gebäudebestand

Auch bei Sanierungs- und Bestandsprojekten kann ein CDE eine zentrale Rolle spielen. Digitale Aufmaßdaten, Punktwolken, Bestandspläne und BIM-Modelle entstehen häufig in unterschiedlichen Projektphasen und werden von verschiedenen Beteiligten genutzt.

Eine strukturierte gemeinsame Datenumgebung hilft dabei, diese Informationen konsistent zusammenzuführen.

Ein möglicher Informationsfluss ist:

Digitales Aufmaß → Punktwolke → Bestandsmodell → IFC → CDE → Planung und Koordination → As-Built-Dokumentation

Damit bleibt nachvollziehbar, welche Daten aus der Bestandserfassung stammen, welche Informationen weiterbearbeitet wurden und welche Version für Planung oder Ausführung freigegeben ist.

Gerade bei Bestandsprojekten kann dies relevant sein, weil dieselben Gebäudedaten für unterschiedliche Anwendungen genutzt werden – beispielsweise für Planung, energetische Sanierung, Ausschreibung, BIM-Koordination oder den späteren Gebäudebetrieb.

CDE und Informationsanforderungen

Ein CDE steht nicht isoliert, sondern ist eng mit den Informationsanforderungen und BIM-Prozessen eines Projekts verbunden.

Die Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) definieren, welche Informationen für bestimmte BIM-Anwendungsfälle benötigt werden.

Der BIM-Abwicklungsplan (BAP) konkretisiert, wie diese Anforderungen im Projekt umgesetzt werden.

Das Common Data Environment schafft anschließend die gemeinsame Informationsumgebung, über die diese Informationen bereitgestellt, geprüft, freigegeben und verwaltet werden.

Vereinfacht:

  • AIA → Was wird benötigt?
  • BAP → Wie wird es umgesetzt?
  • CDE → Nach welchen Regeln werden Informationen bereitgestellt, geprüft, freigegeben und archiviert?

Häufige Fehler und Missverständnisse

  • „CDE = Cloud-Speicher“: Eine zentrale Dateiablage allein ist noch kein vollständiges CDE. Entscheidend sind zusätzlich Informationsstatus, Rollen, Versionierung und Workflows.
  • „CDE = BIM-Kollaborationsplattform“: Eine Kollaborationsplattform ist eine technische Softwarelösung und kann Bestandteil eines CDE sein. Das CDE beschreibt darüber hinaus die vereinbarten Prozesse und Regeln des Informationsmanagements.
  • „DMS sind veraltet“: Dokumentenmanagementsysteme erfüllen weiterhin wichtige Aufgaben. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch stärker auf Dokumenten als auf modellbasiertem BIM-Informationsmanagement.
  • Keine klaren Verantwortlichkeiten: Ohne definierte Rollen bleibt unklar, wer Informationen prüfen oder freigeben darf.
  • Unklare Dateistrukturen: Uneinheitliche Benennungen und Metadaten erschweren Suche und Zusammenarbeit.
  • Parallele Ablagen: Werden Informationen zusätzlich per E-Mail oder in lokalen Projektordnern verteilt, entstehen schnell widersprüchliche Datenstände.
  • Fehlende Freigabeprozesse: Ohne klare Status können Arbeitsstände versehentlich als verbindliche Informationen verwendet werden.
  • CDE erst spät einführen: Informationsstruktur, Rollen und Prozesse sollten möglichst vor Beginn des Datenaustauschs definiert werden.
  • Software statt Informationsprozess betrachten: Auch eine leistungsfähige Plattform funktioniert nur dann als CDE, wenn Rollen, Status und Workflows eindeutig geregelt sind.

FAQ

Ist ein CDE eine Software?

Nicht ausschließlich. Software stellt die technische Umgebung bereit. Ein CDE umfasst zusätzlich definierte Informationsprozesse, Rollen, Status, Versionierung sowie Prüf- und Freigabeverfahren.

Wie hängt ein CDE mit einer BIM-Kollaborationsplattform zusammen?

Eine BIM-Kollaborationsplattform kann die technische Zusammenarbeit innerhalb eines CDE unterstützen. Das CDE ist jedoch der übergeordnete Rahmen und umfasst zusätzlich Informationsstatus, Rollen sowie Prüf-, Freigabe- und Archivierungsprozesse. Mehr zu den konkreten Plattformfunktionen erklärt der Glossareintrag „BIM-Kollaborationsplattform“.

Welche Daten werden in einem CDE gespeichert?

Je nach Projekt unter anderem BIM-Modelle, IFC-Dateien, CAD-Pläne, Punktwolken, Dokumente, Berichte, Protokolle sowie Prüf- und Freigabeinformationen.

Welche Rolle spielt die DIN EN ISO 19650?

Die DIN EN ISO 19650 beschreibt das Informationsmanagement mit BIM und bildet eine zentrale normative Grundlage für die Organisation und den Austausch von Informationen innerhalb eines CDE.

Braucht jedes BIM-Projekt ein CDE?

Für ein strukturiertes BIM-basiertes Informationsmanagement ist eine gemeinsame Datenumgebung zentral. Wie sie technisch umgesetzt wird, kann jedoch von Projekt zu Projekt unterschiedlich sein und aus einer oder mehreren Plattformen bestehen.

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