Bestandsmodellierung ist die Erstellung eines präzisen, digitalen 3D‑Modells eines bestehenden Gebäudes. Aus Messdaten (z. B. Punktwolken aus 3D-Laserscan) entsteht ein semantisches Modell für Planung, Sanierung und Betrieb – inklusive realer Abweichungen gegenüber alten Plänen.
Warum ist Bestandsmodellierung wichtig?
- Verlässliche Datenbasis: Aktueller Ist‑Zustand und belastbare Bestandsdaten reduziert Planungsfehler, Nachträge und Ortstermine.
- Schnellere Entscheidungen: Strukturierte Geometrie und Attribute beschleunigen Sanierungs- und TGA‑Abstimmungen.
So entsteht ein Bestandsmodell
- Gebäude erfassen
- Punktwolke erzeugen
- Bauteile modellieren
- Attribute ergänzen
- Qualität prüfen
- Modell exportieren
Welche Ergebnisse liefert die Bestandsmodellierung?
- 3D-CAD-Modelle
- BIM-fähige Gebäudemodelle
- Grundrisse
- Schnitte
- Ansichten
- Raumbücher
Arten und Detailgrade
- LOD/LOI: Level of Detail/Information je nach Zweck (vom Hüllmodell bis zum detaillierten Bauteilkatalog).
- Verformungsgerechtes Modell: Abbildung von Abweichungen (z. B. krumme Wände) für Bestandsbau.
- Fachmodellierung: Architektur, TGA, Tragwerk – getrennt oder integriert.
Häufige Fehler/Missverständnisse
- “Modell = schön, also gut”: Reine Geometrie ohne Attribute limitiert Betrieb und Auswertung.
- Fehlende Toleranzen: Ohne Genauigkeitsangaben sind Modelle schwer prüfbar und rechtlich angreifbar.
- Zu hoher Detailgrad: Übermodellierung verteuert Projekte ohne Mehrwert – LOD/LOI am Zweck ausrichten.
- Medienbrüche: Manuelle Notizen statt digitaler Workflows erhöhen Fehlerquote; direkte Datenerfassung im Rahmen der digitalen Bestandserfassung ist robuster.
- Isolierte Daten: Fehlende Verknüpfung zu Raumbuch, TGA, Energie‑Nachweisen verschenkt Potenzial.
Bestandsmodellierung vs. As‑Built
- As‑Built dokumentiert den realen Endzustand nach Bauausführung;
- Bestandsmodellierung erstellt ein aktuelles, nutzbares 3D‑Modell des vorhandenen Gebäudes für Scan-to-BIM-Workflows – oft aus Scans älterer Bestände, inkl. Abweichungen, Attributen und Ableitungen.
FAQ
Welcher Detailgrad ist für die Sanierungsplanung sinnvoll?
Für Entwurf/Varianten reichen reduzierte LOD/LOI‑Stufen; für Ausführung sind detailliertere Bauteile und TGA‑Elemente erforderlich – am Projektziel ausrichten.
Welche Daten dienen als Ausgangsbasis?
Häufig Punktwolken (E57/LAS/LAZ) aus LiDAR/Photogrammetrie; ergänzend Fotos/360° und Bestandsunterlagen zur Plausibilisierung der Bestandsaufnahme.
In welchen Formaten wird geliefert?
Für BIM typischerweise IFC; zusätzlich 2D‑Pläne als DWG/DXF/PDF.